Wohnen im Alter

Sturzprophylaxe

Mit der Sturzprophylaxe werden möglichen Verletzungen vorzeitig entgegengewirkt. Als älterer Mensch oder Person mit Behinderung birgt das alltägliche Leben gewisse Herausforderungen und das Risiko sich bei einem Unfall zu verletzen ist vergleichsweise hoch. Die Sturzprophylaxe spielt deswegen für viele Menschen eine große Rolle, um Pflege erfordernde Gesundheitseinschränkungen vorzubeugen und so ein angenehmes Leben im Alter zu ermöglichen.

Nach internationalen Studien aus den 80er und 90er Jahren stürzen ca. 30 Prozent der Menschen im Alter über 65 Jahre mindestens einmal pro Jahr. 30 bis 70 Prozent dieser Stürze führen bei älteren Menschen zu einer Verletzung. Knochenbrüche, vor allem Oberschenkelhalsbrüche, können die Folge von Stürzen sein. Doch selbst die Stürze, die nicht zu schweren Verletzungen führen, sorgen für Sturzangst bei den Betroffenen. Diese Angst führt zu einer starken Unsicherheit in der Bewegung und zur Verminderung der körperlichen Aktivität. Angst, Unsicherheit und fehlende Fitness können so unter Umständen weitere Unfälle bedingen.

Stürze sollten daher sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen als Warnsignal und Anlass für notwendige Verhaltensanpassungen oder Beseitigung von Risikofaktoren gesehen werden und das Bewusstsein für Sturzprophylaxe stärken.

Die Risikofaktoren

Wenn ältere Menschen stürzen, liegt meist keine einzelne Ursache zugrunde, sondern oft handelt es sich um eine Verkettung mehrerer Risikofaktoren. Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet zwischen vier konkrete Sturzrisikofaktoren:

  • Biologische Faktoren: Alterserscheinungen, chronische Erkrankungen, Funktionseinbußen
  • Verhaltensbedingte Faktoren: Medikamenten-Nebenwirkungen, starker Alkoholeinfluss, unangemessenes Schuhwerk
  • Umgebungsbedingte Faktoren: Unzureichende Beleuchtung, rutschige Bodenbeläge, steile Treppen und fehlende Geländer
  • Sozioökonomische Faktoren: beschränkter Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, unzureichende Wohnungsbedingungen
Sturzprophylaxe bei Senioren durch Gehhilfen

Im Alter steigt das Sturzrisiko durch die Verringerung der Muskelkraft, des Seh- und Hörvermögens, der Reaktionsfähigkeit und der Koordination. Oft gehen diese Alterserscheinungen mit teilweise altersbedingten Krankheiten einher. Arthrose, Gelenkerkrankungen, Kreislaufprobleme, Bewegungseinschränkungen, Unterzuckerung, Schwindel oder niedriger Blutdruck führen im Alter zu zusätzlicher Unsicherheit.

Darüber hinaus können Medikamente oder Schlafmittel den Kreislauf und die Orientierung beeinträchtigen, was sich negativ auf die Beweglichkeit und das sichere Gehen auswirkt. Arzt und Apotheker sollten sich bei der Verschreibung von Medikamenten immer über das Risiko bei älteren Menschen bewusst sein, die Sicherheit ihrer Patienten im Blick haben und die Medikation entsprechend anpassend. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Hausarzt, wenn Sie bei Ihrer Medikamentenverordnung Bedenken haben.

Sturzprophylaxe: Stürze sind vermeidbar

Um Stürze zu vermeiden, sollte das individuelle Sturzrisiko erkannt und somit zur Sturzprophylaxe beigetragen werden.
Bislang führen meist Hausarzt und Pflegedienste ein geriatrisches Assessment zur Sturzprävention durch. Hierbei wird der Allgemeinzustands eines Patienten regelmäßig in drei Bereichen kontrolliert: zentrale Fähigkeiten des täglichen Lebens, kognitive Fähigkeiten und Sturzrisiko.
Hier finden Sie Informationen und Tipps, wie Sie einen Pflegedienst suchen.

Wer jedoch sofort mit einfachen Mitteln das Sturzrisiko für sich oder seine Angehörigen senken möchte, sollte ein paar grundlegende Vorsichtsmaßnahmen beherzigen, die die Sturzprophylaxe unterstützen:

  • Brille und Sehfähigkeit überprüfen.
  • Ausdauer, Kraft und Koordination trainieren – je aktiver und kräftiger man ist, desto geringer ist das Sturzrisiko.
  • Das Badezimmer mit rutschfesten Matten, Haltegriffen, Badewannensitz ausstatten.
  • Rollator/Gehstock benutzen.
  • Falsche Hilfsmittel vermeiden: z.B. zu lange Gehstöcke.
  • Generell gilt: Angst reduzieren, sich Zeit für jeden Weg nehmen – mit Angehörigen trainieren.
  • Festes Schuhwerk tragen.
Sturzprophylaxe durch Sport und Fitnessübungen
  • Risikostellen und Stolperfallen vermeiden:
    • rutschige/nasse/glatte Flächen und Fliesen
    • hohe Treppenstufen mit kurzem Tritt
    • Treppen ohne Geländer und Handlauf
    • schlechte Beleuchtung


    • Türschwellen
    • Teppichkanten, lose Teppiche
    • plötzliches Aufstehen, wenn es klingelt
    • herumliegende Kabel

Informieren Sie sich, was es sonst beim Wohnen im Alter zu beachten gibt.

Besonders hohes Sturzrisiko: Haus- und Wohnungstreppen

Treppen als Sturzrisiko

Ob am Hauseingang, im Flur oder in der Wohnung – Treppen gehören für ältere Menschen zu den größten Hindernissen und Stolperfallen. Obwohl man die eigene Treppe gut kennt, passieren hier aufgrund mangelnder Kraft- und Koordinationsfähigkeit die häufigsten und folgenreichsten Stürze.

Ohne Sturzprophylaxe ist die Verletzungsgefahr hier viel größer als auf ebenen Flächen.

Die häufigsten Sturzrisiken auf Treppen sind:

  • Steile, glatte oder zu hohe Stufen
  • Zu kurzer Tritt
  • Kein Geländer / Handlauf
  • Unzureichende Beleuchtung
  • Falsches Schuhwerk
  • Nicht aktuell angepasste Sehhilfen
  • Mangelnde Koordination und Muskelkraft
  • Gelenkprobleme
  • Medikamentös bedingte motorische Einschränkungen

Sichere Lösung: ein Treppenlift zur Sturzprophylaxe

Um Stürzen vorzubeugen, die Knie und Gelenke zu schonen und die Mobilität zu steigern bietet sich ein Treppenlift zur Prophylaxe an.

Aus mehreren Gründen ist ein Treppenlift eine sichere Lösung zur Sturzprophylaxe im eigenen Haus:

  • Treppen lassen sich sicher und komfortabel überwinden.
  • Umbau oder Umzug sind nicht notwendig.
  • Die Mobilität im eigenen Haus bleibt erhalten.
  • Die Muskeln und Gelenke werden trotzdem trainiert, da man sich auf flachen Ebenen weiterhin selbst bewegt.
Sturzprophylaxe durch Treppenlift

Mehr Sicherheit auch in der Pflege

Die Expertengruppe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) hat einen sogenannten „Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege“ herausgegeben, der sich an alle professionellen Pflegekräfte richtet.

Ziel dieses Standards ist es

  • einerseits das Bewusstsein auch im Pflegebereich stärker auf eine professionelle Sturzprophylaxe zu lenken und
  • andererseits besser und schneller ursächliche Risiken und Gefahren zu erkennen und entsprechend zu minimieren. 
Sturzprophylaxe in der Pflege

Der Expertenstandard umfasst daher vor allem pflegerische Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen. Unterschieden wird bei den Risikofaktoren zwischen personenbezogenen, umgebungsbezogenen und medikamentenbezogenen Risikofaktoren. Pflegekräfte sind so besser in der Lage, Sturzrisiken im Alltag zu erkennen und diese durch Beratung, Anleitung und geeignete Anpassungen zu minimieren.

Diese Anpassungen umfassen allgemeine Maßnahmen wie Kräftigung der Muskulatur oder das Balancetraining sowie Anpassungen des Umfeldes, die vor allem Sturzgefahren beseitigen helfen.  

Die rechtzeitige Einschätzung eventueller Risikofaktoren und vor allem die durch den Standard systematisierte Sturzerfassung, Information und Beratung von Betroffenen und Angehörigen sowie die daraus folgende gemeinsame Maßnahmenplanung und Durchführung fördert die sichere Mobilität älterer Menschen.

Maßnahmen zur Sturzprophylaxe gemäß Expertenstandard

  • Anpassung der Wohnungsumgebung
  • Anpassung der Sehhilfen
  • Anpassung von Schuhwerk
  • Einsatz von Hilfsmitteln, z.B. Hüftprotektoren, Sturzhelme
  • Kraft- und Balancetraining

Produkte, die zur Sturzprophylaxe geeignet sind

  • Gehhilfen (Rollator, Gehstock)
  • Geländer, Haltegriffe und Handläufe an Wänden und Treppen
  • Treppenlift
  • Duschstuhl, Badewannenlift, Toilettenstuhl
  • Rollstuhl
  • Hüftprotektor

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