Leben mit Behinderung

Grad der Behinderung (GdB) – Übersicht zu Einteilung und Nachteilsausgleichen

Der offiziell anerkannte Grad der Behinderung kann immensen Einfluss auf das alltägliche Leben mit Behinderung haben. Denn im deutschen Recht bestimmt der GdB darüber, wer welche Form des Nachteilsausgleichs erhält. Abhängig von der Höhe des GdB ist der Umfang des Nachteilsausgleiches, der ähnlich wie andere Zuschüsse für Menschen mit Behinderung für eine finanzielle Lebensverbesserung und mehr Teilhabe sorgen soll. Beispielsweise gilt für Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 50 ein besonderer Kündigungsschutz. Allein aus diesem Grund lohnt es sich bereits, sich genauer mit dem Thema zu beschäftigen. Was genau der Grad der Behinderung ist, wie der GdB festgestellt und beantragt wird und welche Nachteilsausgleiche es gibt, erfahren Sie im folgenden Artikel. 

Was ist der Grad der Behinderung?

Der Grad der Behinderung kategorisiert im deutschen Sozialgesetzbuch die Schwere einer körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigung. Im Neunten Sozialgesetzbuch wird eine Behinderung wie folgt definiert: 

„Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilnahme am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.“ 

Entscheidend für die Kategorisierung des GdB sind daher die zeitliche Länge der Beeinträchtigung, das aus dieser Länge hervorgehende Funktionsdefizit und die Auswirkungen auf die Teilhabe an einem gesellschaftlichen Leben. Um welche Art der Behinderung es sich handelt, ist für den GdB eher zweitrangig. In 10er-Schritten gestaffelt, beziffert der GdB von 20 bis 100 verschiedene Schweregrade der Behinderung. Fälschlicherweise spricht man in der Alltagssprache häufig von Prozentzahlen des GdB, dabei handelt es sich jedoch um einfache Ziffern. Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt man nach deutschem Recht als schwerbehindert und kann einen Schwerbehindertenausweis beantragen.

Feststellung des Grades der Behinderung

Festgestellt wird der Grad der Behinderung in der Regel durch einen vom Versorgungsamt anerkannten, ärztlichen Gutachter. Alternativ kann der GdB aber auch durch einen Rentenbescheid oder durch eine Gerichtsentscheidung in Auftrag gegeben werden.

Zentral bei der Kategorisierung des GdB sind die bundesweit geltenden versorgungsmedizinischen Grundsätze.

Grad der Behinderung

Diese enthalten bestimmte Regeln und Richtlinien, anhand derer sich der feststellende Amtsarzt bei der Beurteilung orientieren kann. Die finale Entscheidung fällt jedoch von Fall zu Fall individuell aus.

Hat eine Person mehrere Behinderungen, wird ein sogenannter Gesamt-GdB errechnet. Dieser setzt sich jedoch nicht einfach aus den addierten Einzelgraden der Beeinträchtigungen zusammen, sondern bildet eine Gesamtbeurteilung ab. Dafür werden vor allem die Auswirkungen der einzelnen Funktionsbeeinträchtigungen zueinander und untereinander angeschaut. Maßgeblich ist bei der Beurteilung des GdB die tatsächliche Leistungseinschränkung durch die Behinderung sowohl im privaten als auch im beruflichen und gesellschaftlichen Leben.

Wie kann ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden?

In der Regel wird der Grad der Behinderung im Zuge der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises festgestellt. Antragsformulare für einen solchen Ausweis gibt es auf allen Versorgungs- und Bezirksämtern oder als Download im Internet. Beim Ausfüllen des Formulars müssen alle Beeinträchtigungen und Beschwerden detailliert dargelegt werden, am besten bestätigt durch eine ärztliche Bescheinigung.

Nachdem der Antrag beim Versorgungsamt eingegangen ist, setzt sich das Amt mit dem zuständigen Arzt in Verbindung und fordert weitere Gutachten an. Es lohnt sich, im Vorfeld des Antrags alle behandelnden Ärzte über das Vorhaben zu informieren, sodass diese entsprechend schnell auf die Amtsanfragen reagieren können.

Wenn alle Unterlagen, Atteste und Befunde vom Amt geprüft wurden, erhalten Antragsstellende einen Feststellungsbescheid. In diesem Bescheid wird der Grad der Behinderung verkündet, sollte dieser mindestens 20 betragen. Es gibt auch negative Feststellungsbescheide: Wenn beispielsweise das Versorgungsamt zu dem Schluss gekommen ist, dass kein GdB über 20 vorliegt oder eine Erhöhung des vorliegenden GdB abgelehnt wurde.

Wichtig ist der Feststellungsbescheid für alle mit einem GdB von 30 oder 40. Dann kann der Bescheid für einen Antrag zur Gleichstellung mit einer Schwerbehinderung eingereicht werden. Bei einem Grad der Behinderung von 50 oder mehr dient der Feststellungsbescheid als Grundlage zur Ausstellung des Schwerbehindertenausweises. Der Schwerbehindertenausweis ist normalerweise fünf Jahre gültig, bei Minderjährigen ist die Gültigkeitsdauer befristet. Zweimal kann der Ausweis verlängert werden, danach muss erneut ein Antrag eingereicht werden. 

Welche Merkzeichen gibt es im Schwerbehindertenausweis?

In einem Schwerbehindertenausweis werden sogenannte gesundheitliche Merkzeichen verzeichnet, die mit bestimmten Nachteilsausgleichen und Rechten einhergehen. Diese Nachteilsausgleiche sollen ähnlich wie die Regelungen des Behindertengleichstellungsgesetzes für mehr gesellschaftliche Teilhabe der betroffenen Personen führen. Insgesamt gibt es sieben verschiedene Merkzeichen und verschiedene Sondermerkzeichen, wie beispielsweise das Zeichen 1. KL zur Nutzung der ersten Klasse in der Bahn. In der folgenden Tabelle sind alle Merkzeichen mit Erklärungen und den korrespondierenden Nachteilsausgleichen aufgeführt.

Merkzeichen Erklärung Nachteilsausgleich
G (Erheblich gehbehindert) Als „erheblich gehbehindert“ gilt jeder, der nur eingeschränkt und unter erheblichen Gefahren bis zu zwei Kilometer gehen kann. Eine Gehbehinderung kann beispielsweise das Resultat von Beeinträchtigungen an Beinen und Rückgrat, Herzschäden, Krampfanfällen, Epilepsie oder einer geistigen Behinderung sein. Unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr (mit Eigenanteil), Ermäßigung bei der Kraftfahrzeugsteuer
aG (Außergewöhnlich gehbehindert) Als „außergewöhnlich gehbehindert“ gilt jeder, der sich außerhalb eines Kraftfahrzeugs nur unter größter Anstrengung oder mit fremder Hilfe bewegen kann. Gründe für das Merkzeichen aG können beispielsweise eine Lähmung, Amputation oder schwere Erkrankung der Atemwege sein. Mobilitätshilfe, unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr (mit Eigenanteil), Parkerleichterung, Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer, steuerliche Absetzbarkeit von Fahrtkosten
H (Hilflos) Als „hilflos“ gilt jeder, der ständig auf fremde Hilfe für die Bewältigung von alltäglichen Aufgaben angewiesen ist. Das Merkzeichen H erhalten z. B. blinde Menschen, Querschnittsgelähmte oder Menschen mit einer geistigen Behinderung und einem GdB von 100. Unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr, Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer, Befreiung von der Hundesteuer, Pflegezulage & Pflegegeld
B (Begleitperson erforderlich) Jeder, der für die gefahrenlose Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln eine Begleitperson benötigt, erhält außerdem das Merkzeichen B. Unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nah- und Fernverkehr, bedingt unentgeltliche Beförderung der Begleitperson, für blinde Menschen, unentgeltliche Beförderung der Begleitperson im internationalen Eisenbahnverkehr, Ermäßigung bei Eintrittsgeldern für die Begleitperson
BL (Blind) Als „blind“ gilt jeder, dem das vollständige Augenlicht fehlt oder das bessere Auge nicht mehr als 2 % Sehstärke hat. Unentgeltliche Nutzung im öffentlichen Nahverkehr, Befreiung Kraftfahrzeugsteuer, Befreiung von Rundfunkgebühr, erhöhter Freibetrag bei der Einkommenssteuer, Sozialtarif für einen Telefonanschluss der Telekom
GL (Gehörlos) Menschen, die von Geburt an taub sind oder eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit und eine zusätzliche Sprachstörung haben, erhalten das Merkzeichen GL. Unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr (mit Eigenanteil), Abzugsbetrag für die Kfz-Benutzung zwischen Wohnung und Arbeitsstelle, bei GdB 90: Sozialtarif bei der Telekom, Befreiung von Rundfunkgebühren
RF (Rundfunkbeitrag & Telefonermäßigung) Dieses Merkzeichen können Menschen erhalten, die aufgrund von Beeinträchtigungen und Behinderungen permanent von öffentlichen Veranstaltungen ausgeschlossen sind. Ermäßigung oder vollständige Befreiung von den Rundfunkgebühren, Sozialtarif für einen Telefonanschluss der Telekom
1. KL (Erste Klasse) Dieses Merkzeichen erhalten nur Menschen mit Behinderung, die als Schwerkriegsgeschädigte oder Verfolgte Ansprüche im Sinne des Bundesentschädigungsgesetzes haben. Bahnreisen in der ersten Klasse mit einem Fahrschein für die zweite Klasse

Das könnte Sie auch interessieren

Welche Anforderungen und Rechte haben Sie?Erfahren Sie mehr

Welche Angebote gibt es für Sport, Reisen und Kultur.Mehr zu Freizeitangeboten

Welche Hilfsmittel gibt es und was bieten sie? Mehr zu den Hilfsmitteln

© 2018 Ratgeber Treppenlift GmbH