Netzwerkprojekt Inklusionskultur – ein Projekt der VITAL e.V.

Das „Netzwerkprojekt Inklusionskultur“ wurde 2015 von der VITAL e.V. ins Leben gerufen. Dieses Projekt soll Menschen dazu ermutigen, ihre künstlerische und kreative Seite trotz Einschränkungen auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig steht der Netzwerkgedanke im Vordergrund und eröffnet die Möglichkeit, sowohl gegenständliche als auch psychosoziale Barrieren abzubauen.

Die Abkürzung VITAL e.V. steht für " Vogtländische Initiative für Teilhabe und aktives Leben e.V." Der Verein ist Ansprechpartner für Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Hirntumor) und deren Angehörigen. Er betreibt eine unabhängige Kontakt- und Beratungsstelle in Plauen, begleitet Selbsthilfegruppen und bietet verschiedene Freizeitangebote im gesamten Vogtlandkreis.

Daran beteiligt sind erst einmal die direkten Kooperationspartner wie der Kunstverein Plauen oder das Quartier 30, viele Kultureinrichtungen im Vogtlandkreis, ob aktiv oder als Anbieter von Nutzungsmöglichkeiten. Aber auch jeder Teilnehmende und ein Großteil seines Umfeldes. Alle Netzwerkpartner aus dem Bereich Bildung, sowie ein Teil der sozialen Medienstrukturen.

Es geht auch darum aufzuzeigen, dass Kultur wesentlich mehr ist als Gesang, Tanz, Theater, Musik und Malerei. Nämlich, dass Respekt und Toleranz im Umgang mit allen Menschen ein wesentlicher Bestandteil unserer inklusiven Kulturlandschaft sind und der Zugang dazu auch allen ermöglicht werden sollte.

 

Steffen Marquardt ist seit 2012 Vorstand des Vereins VITAL e.V. Bereits seit 2010 ist er im Verein aktiv. Seine Ausbildung absolvierte er als Maschinist für Kraftwerksanlagen, später war er auch im Montagebau und als SPS Programmierer tätig.

Im Jahr 2004 erlitt er eine Stammhirnblutung und ist nun EU Rentner.

Der Treppenlift-Ratgeber.de sprach Steffen Marquardt zum Netzwerkprojekt Inklusionskultur und zu seinen persönlichen Erfahrungen im Bereich Inklusion.

Treppenlift-Ratgeber: Was verbirgt sich hinter dem „Netzwerkprojekt Inklusionskultur"?

Steffen Marquardt: Ein Netzwerkprojekt zum Abbau gegenständlicher und psychosozialer Barrieren durch künstlerisch/kulturelle Gestaltungs-, Begegnungs- und Betätigungsvariationen, sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. 

Das klingt erst einmal nach sehr hohem Anspruch, doch es ist zunächst ein Projekt, bei dem es gilt Teilhabe in kultureller Hinsicht bewusst zu leben. Nicht im geschütztem Rahmen, sondern unter Einbeziehung möglichst vieler Beteiligter und der Öffentlichkeit sowieso.

Treppenlift-Ratgeber: Welche Gedanken und Ziele stehen hinter diesem Vorhaben?

Steffen Marquardt: Wir wollen Menschen dazu ermutigen und motivieren ihre künstlerische - kreative Seite auszuprobieren, weiterzuentwickeln und ihre Fähigkeiten auch trotz Einschränkung zu zeigen.
Nur wer miteinander etwas tut, erfährt und weiß von Möglichkeiten des Anderen. Also auch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit.

Der hohe Anteil von Menschen mit Behinderung von 10-16% ist eng mit der demografischen Entwicklung verbunden. Alter bedeutet auch im allgemeinen Lebensmobilitätseinschränkung.
Also trifft die Behindertenrechtskonvention (auch laut Abschnitt e ihrer Präambel) auf weit mehr Menschen als die im SGB IX §2 definierten Menschen mit Behinderung zu. Auf alle, die durch Barrieren an der vollen, gleichberechtigten Teilhabe gehindert werden. Und das greift in alle Bereiche der Gesellschaft hinein.
Darum Netzwerkprojekt.

Treppenlift-Ratgeber: Wie sieht das Projekt in der praktischen Umsetzung aus? Und gibt es weitere Pläne für die Zukunft?

Steffen Marquardt: In der ersten Projekthälfte haben wir mit einer Ideenwerkstatt angefangen.
Die Zukunft ist die Zeit in der zweiten Projekthälfte, welche Anfang nächsten Jahres mit einer Veranstaltung zur Projekthalbzeit begonnen wird in der wir zurückschauen und den Blick auch nach vorn richten. Das betrifft auch den Zeitraum nach dem Projektende. Denn ein Teil der Angebote werden wir dann weiterführen, nur es müssen dann neue Finanzierungsquellen gefunden werden.

Treppenlift-Ratgeber: Wie erleben Sie selbst den Umgang mit behinderten Menschen in der Gesellschaft? Wo sehen Sie physische und psychische Barrieren und was kann weiter getan werden, um diese Barrieren zu reduzieren?

Steffen Marquardt: Es sind alles Barrieren, die die gleichberechtigte Teilhabe behindern, also in allen Bereichen des Lebens – sowohl physische Barrieren wie Treppen als auch psychische Barrieren wie Vorurteile. Doch auch dazwischen gibt es viele Barrieren die offensichtlich sind, an die aber kaum jemand denkt. Die Bürokratie gehört dazu.

Das knifflige ist nur, dass auf beiden Seiten des gedachten Schreibtisches Menschen sitzen. Auf der einen Seite sitzen die mit Vorstellungen, auf der anderen Seite die mit Vorschriften. Bei dem mit Vorstellungen kommt es darauf an wie er Dieselben anbringt. Bei dem mit Vorschriften kommt es darauf an, ob er sie einfühlsam erklären kann oder ein Paragrafenreiter ist. Das hat mehr mit Kultur zu tun als mancher denkt.
Es geht eigentlich darum Teilhabe zu leben, auch im kulturellen Aspekt. Und nicht irgendwo versteckt, sondern mit allen anderen zusammen. So entsteht ein Netzwerk unterschiedlicher Querverbindungen, die aufeinander einwirken.

Demzufolge ist Ihre Fragestellung schon ziemlich einseitig. Das Schlüsselwort ist "mit". Denn das Projekt wirkt auf beide Seiten.

Und was Menschen mit Behinderung betrifft ist die Losung „nichts über uns ohne uns“ mehr als berechtigt. Also sehen wir uns lieber als Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Die Barrieren die es zu überwinden gilt, haben ihre Ursachen in den Einschränkungen, aber eben auch in einseitiger Sichtweise, Unwissen bis Ignoranz. Doch das Zweite kann man verändern.

Treppenlift-Ratgeber: Herr Marquardt, herzlichen Dank für dieses Interview!

Alle Infos zum Projekt und zum Verein VITAL e.V. finden Sie unter:

www.vital-vogtland.de

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