Portraits: Barrierefrei leben

Gemeinsam was ins Rollen bringen! – eine Kampagne des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes e.V.

Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband e.V. (DRS) hat 2014 die Inklusionskampagne „Gemeinsam was ins Rollen bringen!“ ins Leben gerufen. Ein wichtiger Baustein für die Kampagne ist die UN-Behindertenrechtskonvention, die 2008 in Deutschland in Kraft getreten ist. Mit den beeindruckenden Paralympischen Spielen 2012 in London reifte der Gedanke, dass Rollstuhlsport in einer bundesweiten Kampagne mit dynamischen und modernen Bilderwelten einem breiten Publikum präsentiert werden soll.

Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband e.V. existiert seit 1977 und vereint heutzutage knapp 8.000 Mitglieder in ca. 300 Vereinen, die insgesamt über 30 Sportarten anbieten. Die Kampagne wird umfänglich von der Aktion Mensch gefördert. Sie trägt dazu bei, Bedürfnisse und Möglichkeiten von Rollstuhlfahrern aufzuzeigen und zum gemeinsamen Sporttreiben zu motivieren.

Henning Schulze, Projektkoordinator der Kampagne „Gemeinsam was ins Rollen bringen“

Henning Schulze ist Projektkoordinator der Kampagne „Gemeinsam was ins Rollen bringen“. Er wurde 1986 in Lutherstadt Eisleben geboren und ist in Erfurt aufgewachsen.

Nach einem Studium des Sportmanagements und der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Leipzig ist er nach einem kurzen Ausflug ins Verlagswesen im Januar 2015 beim Deutschen Rollstuhl-Sportverband in Duisburg gelandet.

Der Treppenlift-Ratgeber.de sprach mit Henning Schulze zum Projekt und seinen persönlichen Erfahrungen im Bereich Inklusion.

Treppenlift-Ratgeber: Welche Ziele verfolgt die Kampagne „Gemeinsam was ins Rollen bringen!“?

Henning Schulze: In erster Linie geht es unserer Kampagne darum, Aufmerksamkeit für den Rollstuhlsport und seinen inklusiven Charakter zu erreichen.

Vom gemeinsamen Sporttreiben profitieren alle Teilnehmer. Häufig gibt es hier aber noch Vorbehalte. Der Rollstuhl wird leider noch viel zu häufig verkannt, dabei ist er für die Betroffenen das Hilfsmittel überhaupt, um aktiv am Leben teilnehmen zu können. Dieses negative Bild in den Köpfen wollen wir verändern.

Treppenlift-Ratgeber: Wie genau trägt die Kampagne dazu bei, diese Ziele zu erreichen?

Henning Schulze: Wir haben im Laufe der Zeit 40 sogenannte Kampagnen-Gesichter gewinnen können, die unsere Botschaft nach außen transportieren. Hier ist die gesamte Bandbreite des Rollstuhlsports zu finden: Männer, Frauen, Kinder, Senioren, Breitensportler, Paralympics-Sieger, Verunfallte, von Geburt an auf den Rollstuhl Angewiesene oder auch Fußgänger, die den Rollstuhl ausschließlich als Sportgerät nutzen. Deren Geschichten erzählen wir, sodass jeder Betroffene sich in der einen oder anderen Form wiederfinden und daraus Motivation ziehen kann. 

Außerdem sind wir regelmäßig mit der Kampagne unterwegs und laden alle Menschen ein, den Rollstuhl einmal auszuprobieren und z.B. einen Ball auf einen Basketballkorb zu werfen. Dieser Perspektivwechsel soll für die Möglichkeiten des Rollstuhlsports sensibilisieren. In unserem Verband kann man über 30 Sportarten ausüben. Vielen fällt auf Anhieb vielleicht gerade mal eine Handvoll ein. Rollstuhlbasketball ist natürlich der Klassiker, aber es gibt noch so viel mehr. Wasserski, Fechten, Rugby – die Vielfalt ist wirklich beeindruckend!

Treppenlift-Ratgeber: Was sind Ihre Aufgaben als Projektkoordinator und was reizt Sie persönlich an diesen Aufgaben?

Henning Schulze: Als Projektkoordinator landet quasi alles auf meinem Tisch, was mit der Kampagne zu tun hat. Dazu zählen Aufgaben rund um die Erstellung der Kampagnen-Plakate und die Organisation von Veranstaltungen vor Ort. 

"Gemeinsam was ins Rollen bringen" Kampagnenevent

Ende August hatten wir eine besondere Aktion, als eine Sportlerin – als erste Rollstuhlfahrerin Deutschlands – an einem Hindernislauf teilgenommen hat. Zusammen mit einem Fußgängerteam. Hierfür mussten wir spezielle Vorbereitungen am Rollstuhl treffen und uns überlegen, wie wir die zum Teil meterhohen Hindernisse angehen würden. Als dann am Tag X alles funktionierte und wir bei den anderen Teilnehmern und Zuschauern diesen Wow-Effekt in den Gesichtern lesen konnten, war das schon ein sehr besonderer Moment!

Treppenlift-Ratgeber: Was ist Ihrer Meinung nach besonders wichtig, damit eine Inklusion von behinderten Menschen gelingen kann? Welche Bedeutung hat in Ihren Augen der Sport dabei?

Henning Schulze: Das Selbstvertrauen von Menschen mit Behinderung ist in den letzten Jahren erfreulicherweise stark gestiegen. Dementsprechend werden von dieser Seite klare Wünsche für bestehende Missstände formuliert. Der politische Wille, diesen Wünschen nachzukommen, ist jedoch noch nicht immer so deutlich erkennbar. Das sieht man z.B. an der aktuellen Diskussion um das Bundesteilhabegesetz. Es braucht hier wahrscheinlich einfach eine noch größere Basis. Damit meine ich, dass sich auch Menschen ohne Behinderung mehr für dieses Gesetz einsetzen sollten, da die gesamte Gesellschaft von diesem profitieren würde. Nicht nur eine spezielle Gruppe. 

Der Sport kann beim Thema Teilhabe sehr einfach ansetzen. Gemeinsames Sporttreiben ist meist problemlos möglich und dann erkennt man sehr schnell, dass uns alle eigentlich mehr verbindet als trennt. Deswegen ist zwar beispielsweise noch keine barrierefrei Sporthalle gebaut, aber ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer solchen bei allen Parteien geschaffen.

Treppenlift-Ratgeber: Wie können sich interessierte Leser im Rahmen Ihrer Kampagne engagieren? Und welche Möglichkeiten können Menschen mit Behinderung wahrnehmen, wenn Sie sportlich aktiv werden möchten?

Henning Schulze: Sportlich aktiv zu werden ist zum Glück ganz einfach. Auf unserer Kampagnen-Homepage www.ins-rollen-bringen.de findet sich eine Vereinslandkarte, wo man sich entsprechend seines Wohnorts alle DRS-Vereine in seiner Umgebung anzeigen lassen kann. 

Wer sich nicht so als aktiven Sportler betrachtet, kann sich aber gerne trotzdem bei unseren Vereinen engagieren. Ehrenamtliche Helfer werden immer gebraucht! Vereins- oder Sportfeste zu organisieren ist schließlich auch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Bei der Organisation solcher Feste unterstützen wir sehr gerne, in Form von Öffentlichkeitsarbeit oder attraktiven Geschenken. Jeder ist aufgerufen, sich zu engagieren, denn wir wollen schließlich gemeinsam was ins Rollen bringen.

Treppenlift-Ratgeber: Herr Schulze, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!

Alle Infos zur Kampagne finden Sie unter: www.ins-rollen-bringen.de

Eine Infobroschüre zur Kampagne kann in der Geschäftsstelle des DRS bestellt werden. Eine E-Mail an info@rollstuhlsport.de genügt hierfür. Die Broschüre ist kostenfrei. Es werden lediglich die Portokosten in Rechnung gestellt.

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