Barrierefrei reisen

Experteninterview mit Katja Heuer vom Tourismus NRW e.V.

Interview "barrierefrei Reisen" mit Frau Heuer

Katja Heuer verantwortet als Projektmanagerin die Bereiche "Stadt, Business und Barrierefrei" beim Tourismus NRW e.V.

Der Treppenlift-Ratgeber.de unterhielt sich mit der Projektmanagerin (Tourismus NRW e.V.) über ihre Erfahrungswerte in Bezug auf barrierefreien Tourismus.

Treppenlift-Ratgeber: Barrierefreiheit bekommt im Tourismus einen immer höheren Stellenwert. Wie kann der Tourismus NRW e.V. Menschen mit Handicap auf der Suche nach barrierefreien Reiseangeboten unterstützen?

Frau Heuer: Tourismus NRW unterstützt die bundesweite Initiative „Reisen für Alle“ auf Landesebene mit dem Ziel, Gästen mit Handicap transparente und verlässliche Informationen hinsichtlich der barrierefreien Erlebbarkeit der touristischen Angebote in NRW zu geben.

Auf unserer Website www.barrierefreies-nrw.de stellen wir touristische Leistungsträger vor, die nach dem bundesweiten Kennzeichnungssystem zertifiziert worden sind.

Treppenlift-Ratgeber: Was macht Ihren Job als „Projektmanagerin für die Themen Stadt, Business und Barrierefrei“ so spannend?

Frau Heuer: Der Job als Projektmanagerin für die Themen Stadt, Business und Barrierefrei ist sehr vielfältig und bringt mich mit unterschiedlichsten Akteuren zusammen, vom Reiseveranstalter über unterschiedlichste Leistungsträger und Dienstleister bis hin zu Endkunden und regionalen Touristikern. Die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich: Wir organisieren Info-Reisen für Reiseveranstalter, führen Workshops und Infoveranstaltungen  durch und besuchen Messen und Veranstaltungen, um für die Destination Nordrhein-Westfalen zu werben.

Treppenlift-Ratgeber: Mit welchen Anfragen werden Sie in Bezug auf barrierefreien Tourismus am häufigsten konfrontiert – bzw. wo besteht der größte Beratungs- / Klärungsbedarf?

Frau Heuer: Uns erreichen im Grunde genommen Anfragen aus zwei Richtungen. Zum einen von Endkunden, die auf der Suche nach barrierefreien Reiseangeboten sind.

Katja Heuer:

„Die Reiseplanung sollte frühzeitig angegangen werden, schließlich geht es um die schönste Zeit des Jahres, den Urlaub.“

Hier stehen wir oder die Kollegen in den touristischen Regionen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung. Auf unserer Website, die übrigens bereits heute vielen Anforderungen an eine barrierearme Website gerecht wird, stellen wir zertifizierte Leistungsträger und Angebote sowie sämtliche Prüfberichte mit allen Informationen zur Barrierefreiheit des Anbieters dar.

Zum anderen erreichen uns Anfragen von touristischen Leistungsträgern, die sich für die Zielgruppe „Menschen mit Handicap“ öffnen möchten und Interesse an einer Zertifizierung nach dem bundesweiten Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ haben.

Wir beraten und begleiten Leistungsträger auf dem Weg von der Erstinformation über die Erhebung zur Zertifizierung. Ein von uns herausgegebener Praktikerleitfaden liefert viele Tipps und Anregungen, wie sich Barrieren schon durch minimale Veränderungen abbauen lassen und unterstützt Leistungsträger bei der Entscheidung, durch eine Zertifizierung eine neue Zielgruppe zu erschließen.

Treppenlift-Ratgeber: Gibt es Ihrer Meinung nach noch viel Optimierungspotenzial in Deutschland oder sind wir bereits auf dem Vormarsch, was barrierefreies Denken betrifft?

Frau Heuer: Die wirtschaftliche Bedeutung und das große Potenzial, das der barrierefreie Tourismus bietet, ist bereits heute vielerorts erkannt worden. Inklusion ist für viele Akteure im Deutschlandtourismus zu Recht eine gesellschaftliche Verpflichtung geworden.

Optimierungspotenzial gibt es meines Erachtens im Bereich der Information touristischer Leistungsträger. Oftmals herrscht die Ansicht, dass die Ausrichtung auf die Zielgruppe „Menschen mit Handicap“ teure Umbaumaßnahmen und damit hohe Investitionen erfordert.

Um diesem Trugschluss entgegenzuwirken, bieten wir Informationsveranstaltungen und Sensibilisierungsschulungen an. Als Mitglied im Länderarbeitskreis Barrierefrei arbeitet Tourismus NRW gemeinsam mit den Kollegen der anderen Landesmarketingorganisation daran, barrierefreien Tourismus in Deutschland voranzutreiben.

Tipps von Katja Heuer:

  • Treten Sie schon vorab mit Reiseanbietern, Hotels und anderen Leistungsträgern in Kontakt, um die Situation vor Ort zu klären.
  • Regionale Ziele sind oft einfacher zu erreichen und es bedarf weniger Planung.
  • „Reisen für Alle“ ist eine zuverlässige Kennzeichnung für barrierefreie Angebote.
  • „Reisen für Alle“ ist eine Initiative, die Reisenden mit Handicap Informationen zu touristischen Angeboten in NRW gibt.

Treppenlift-Ratgeber: Was sollte bei der barrierefreien Reiseplanung beachtet werden?

Frau Heuer: Die Reiseplanung sollte frühzeitig angegangen werden, schließlich geht es um die schönste Zeit des Jahres, den Urlaub.

Wir bemühen uns, barrierefreie Angebote entlang der Servicekette anzubieten, d.h. von der Information über die Anreise und die Unterkunft bis hin zu barrierefreien Freizeitaktivitäten und Gastronomieangeboten. Auf diese Weise wird der Aufenthalt zu einem barrierefreien Gesamterlebnis.

Treppenlift-Ratgeber: Welche Dinge müssen bereits im Vorfeld geklärt werden, damit bei der barrierefreien Reiseplanung keine Komplikationen entstehen – und wann fängt man am besten mit der Planung an?

Frau Heuer: Damit individuellen Wünschen und Bedürfnissen entsprochen werden kann, empfehlen wir vorab mit den Leistungsträgern in Kontakt zu treten und die Details abzustimmen. So steht einem barrierefreien Erlebnis in Nordrhein-Westfalen nichts mehr im Wege.

Treppenlift-Ratgeber: Zu welcher Reiseform würden Sie Menschen mit Handicap raten (Bahn / Bus / Flugzeug …etc.)?

Frau Heuer: Die Reiseform ist sicherlich abhängig von persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen. Grundsätzlich kann Nordrhein-Westfalen mit jedem Verkehrsmittel erreicht und individuell bereist werden. Sechs Flughäfen, das dichteste Schienennetz Deutschlands und ein hervorragend ausgebautes Straßennetz sind Garanten für eine bequeme Anreise, ob mit oder ohne Handicap.

Treppenlift-Ratgeber: Haben Sie drei Empfehlungen für besonders gute barrierefreie Urlaubsziele in NRW? Und warum genau diese?

Frau Heuer: Nordrhein-Westfalen gehört zu den beliebtesten Kurzreisezielen Deutschlands und bietet unzählige touristische Möglichkeiten. Naturliebhaber mit und ohne Handicap kommen z.B. im Nationalpark Eifel auf ihre Kosten: Im barrierefreien Naturerlebnisraum können Besucher jeden Alters das ökologische Herz des Nationalparks erleben. Geschulte Ranger bieten Besuchern im wahrsten Sinne ein Naturerlebnis mit allen Sinnen.

Kulturinteressierte dürfte das barrierefreie Angebot im Ruhrgebiet begeistern: Sowohl das UNESCO Welterbe Zollverein als auch die Zeche Zollern wurden nach dem bundesweiten Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ zertifiziert, aber auch das Dortmunder U und das Theater Dortmund sowie zahlreiche Hotelbetriebe sind auf Gäste mit Handicap eingestellt.

Für eine reibungslose Planung Ihrer barrierefreien Reise haben wir für Sie eine Checkliste vorbereitet.

zur Checkliste >

Wer im Urlaub eine sportliche Herausforderung sucht, sollte dem Hotel Fit in Much einen Besuch abstatten. Das zertifizierte Hotel verfügt über einen Hochseilgarten für Menschen mit und ohne Behinderung mit Rolli-Brücke, Seilrutsche und Kletterturm.

Dies sind nur einige Beispiele für attraktive Reiseziele in Nordrhein-Westfalen. Bei uns finden Menschen mit Handicap viele weitere Reiseideen und Ausflugstipps.

Treppenlift-Ratgeber:
Welche grundlegenden Tipps würden Sie Senioren und Menschen mit Handicap bei der Reiseplanung gerne mit auf den Weg geben?

Frau Heuer: Das touristische Angebot für Menschen mit Handicap wächst stetig. Wichtig ist eine langfristige Planung und detaillierte Recherche im Vorfeld. Bei uns finden Menschen mit Handicap Tipps und Informationen zu barrierefreien Reisezielen.

Anhand der Piktogramme des Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“ können Betroffene sofort erkennen, ob das Angebot für die jeweiligen Ansprüche geeignet ist. Detaillierte Infos bieten dann die hinterlegten Prüfberichte. Sollten dennoch Fragen oder Wünsche offen bleiben, lohnt sich der direkte Kontakt zu den Leistungsträgern.

Treppenlift-Ratgeber: Frau Heuer, vielen Dank für das interessante Interview zum barrierefreien Reisen!


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